Kommando Hornisse

 

Auch wie beim U-Boot-Montagebunker "Valentin" sollten hier Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge eingesetzt werden.

Am 17.August 1944 gegen 8 Uhr morgens hält ein vollbeladener Gütertransport auf dem Rangierbahnhof in Bremen-Neustadt. Etwa

1000 Menschen, KZ-Häftlinge in gestreifter Kleidung aus dem Konzentrationslager Neuengamme wurden aus den Waggons getrieben und

durchgezählt. Mehrere Augenzeugen berichten, dass der Zug mit den Häftlingen unterwegs von Schulkindern beschimpft, bespuckt und

mit Steinen beworfen worden ist.


Lagerbewacher auf der Baustelle Hornisse 1944.

 

Aus dem Buch: Bunker "Hornisse" - KZ-Häftlinge in Bremen und die U-Boot-Werft der "AG-Weser" 1944/45 von

Eike Hemmer und Robert Milbradt, berichtet Marianne Chantelau, die im Büro der Firma Hermann Möller gearbeitet hatte:

Die mussten die ganze Erd- und Zementbewegungen machen. der mußte geschüttet und mit Baustahlmatten armiert werden. Die Matten mußten mit Zangen zusammengedreht werden. Die Häftlinge turnten über die Träger rüber und wurden einfach ins Feuer geschickt. Es war keine Baustelle nach heutigen Vorstellungen. Wenn Herr S., der als Marine-Angehöriger und Zivilarbeiter beim Bunkerbau beschäftigt war, über den Bunker schreibt, schwärmt er von der tollen Sache, daß hier schon Baukrane gearbeitet haben. Aber die Baukrane wurden gebraucht, um die Spannbetonträger einzusetzen. Aber es wird nichts geschrieben über diese unendlichen Schmalspurlorenzüge, die die Leute schieben mußten, wenn die kleinen Dampfloks es nicht mehr schafften...

Und die hatten keine Berufsbekleidung, keinen Helm, nichts, was sie schützen könnte. Sie hatten nur ihre gestreiften Anzüge. Im Winter hatten sie sich von den Zementsäcken die Umhüllung unter ihre gestreifte Kleidung auf den Körper gezogen. Davon kriegten sie Krätze. Sie standen so da und froren. Ich habe mal gesehen, wie sie Holz gesammelt und in einem großen Faß Feuer zum wärmen gemacht haben. Der Kapo "Kameradenpolizei" hat das Faß umgekippt und das Feuer ausgetreten und die Häftlinge mit rohen Worten zur Arbeit getrieben...


Lagerbewachung des Lagers Rießpott.

 

Ende 1944 begann man dann mit dem Bau des U-Boot-Sektionsbunkers "Hornisse". Und wie auch in Farge waren die KZ-Häftlinge

in Lagern untergebracht. Erst das Lager Neuenland, dann das Lager Osterort und zuletzt die Lager Rießpott, die sich alle auf dem Gelände

der Stahlwerke Bremen befanden. Auch im Zentrum Gröpelingens gab es mehrere Lager, darunter das Lager Schützenhof.


KZ Insassen. Vermutlich aufgenommen im Lager Rießpot 1944.

 

Anmerkung:

Während meiner Recherche über den U-Boot-Montagebunker "Valentin" habe ich vom Bundesarchiv Koblens eine PDF Datei bekommen. Diese umfasst 982 Bilder vom "Valentin". Doch während meiner Untersuchung, fielen mir Aufnahmen auf, die nicht zum "Valentin" passten. Nach längeren Vergleichen wurde klar, das es sich hierbei um Aufnahmen vom U-Boot-Sektionsbunker "Hornisse" handelt. Der Fotograf Johann Seubert, der auf der Baustelle "Valentin" fotografierte, muss wohl zwischendurch auch auf der Baustelle "Hornisse gewesen sein und dadurch wurden vermutlich diese Fotos unter der Archivbezeichnung "Valentin" vermerkt. Die Aufnahmen stammen vermutlich vom Herbst 1944.

 

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